KTUR staff exchange: Lernen aus Unterschieden und auf Gemeinsamkeiten aufbauen

Eines der Ziele von KTUR – Knowledge Transfer Upper Rhine ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Transferstellen der Partnereinrichtungen zu intensivieren und ein gemeinsames trinationales Netzwerk des Wissens- und Technologietransfers zu schaffen. Dazu ist es notwendig, dass sich die Transferakteure persönlich kennen lernen, untereinander austauschen und Erfahrungen weitergeben. Zu diesem Zweck fand im Herbst 2021 ein erster „Personalaustausch“ zwischen zwei KTUR-Partnereinrichtungen statt: Dr. Aude Pélisson-Schecker, Innovationsmanagerin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), verbrachte mehrere Tage mit dem Team von SATT Conectus, der Transferstelle u.a. für die französischen Universitäten Straßburg und Haute-Alsace. Wir sprachen mit ihr im Interview über diese außergewöhnliche Gelegenheit.

Was ist Ihre Aufgabe am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und wie sind Sie am KTUR-Projekt beteiligt?

Am KIT bin ich als Innovationsmanagerin für Energietechnologien in der Abteilung Technologietransfer tätig, innerhalb der Dienstleitsungseinheit IRM (Innovations- und Relationsmanagement) und am KIT-Zentrum Energie. Ich bin Teil eines Teams aus mehreren Innovationsmanagern, die sich auf bestimmte Themengebiete spezialisiert haben.

Innerhalb des KTUR-Projekts tausche ich meine Erfahrungen mit den Mitarbeitenden anderer Transferstellen. Zum Teil unterstütze ich die Projektverantwortlichen von KTUR bei der Gestaltung geeigneter Formate zur Unterstützung des Wissens- und Technologietransfers (WTT) und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Oberrheinregion. Ich bin aktiv an mehreren Diskussionsgruppen im Projekt beteiligt, die darauf abzielen, ein starkes Netzwerk von Technologietransferstellen im Dreiländereck aufzubauen. Außerdem unterstütze ich die Arbeitsgruppe, die für die Entwicklung einer digitalen Informations- und Austauschplattform für den WTT am Oberrhein zuständig ist.

Dr. Aude Pélission-Schecker, Innovation Manager at KIT
Dr. Pélisson-Schecker: “Wir gehören alle zu einer großen grenzüberschreitenden Gemeinschaft" (Bild: KIT)

Was hat Sie an der Idee eines Personalaustauschs gereizt? Warum haben Sie sich für SATT Conectus entschieden?

Meine Hauptmotivation für die Teilnahme an dieser Initiative war es, Erfahrungen und Erkenntnisse zu teilen und mich auf einer sehr praktischen Ebene über organisatorische und Managementaspekte des Technologietransfers mit einer KTUR-Partnereinrichtung auszutauschen, wie zum Beispiel Organisationsstrukturen, lokale Besonderheiten und Rahmenbedingungen, Prozesse, Transferformate und unterstützende Instrumente der anderen.

Ich habe mich für einen Besuch bei SATT Conectus in Straßburg entschieden, weil es dort ein sehr interessantes Angebot zur Reifung von Technologien und zur Überbrückung des so genannten „Tals des Todes“ gibt, welches oft verhindert, dass sehr gute Technologien aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu erfolgreichen Innovationen (wie zum Beispiel einem Produkt, einem Verfahren oder einer Dienstleistung auf dem Markt) werden. Zudem habe ich in den letzten zwei Projektjahren eine sehr gute Verbindung zu Antoine Parmentier, External Relations Manager bei SATT Conectus, aufgebaut.

Nicht zuletzt hatte ich als Französin, die in Deutschland in Grenznähe lebt und arbeitet, auch ein persönliches Interesse an diesem grenzüberschreitenden Personalaustausch!

Wie verlief der staff exchange mit SATT Conectus?

Ich habe im Oktober zwei informative Tage vor Ort in Straßburg verbracht. Der staff exchange bestand aus sechs persönlichen Gesprächen mit einzelnen Personen und kleinen Gruppen zu bestimmten Themen, die das gesamte Spektrum an Fachwissen und Aktivitäten von SATT Conectus abdecken: strategische Vision, Beziehungen zum Ökosystem, Identifikation von Technologien und Auftragsvergabe, Reifungsprojekte, IP-Management und Geschäftsentwicklung. Eine Kollegin, Dr. Herrade Weis aus dem Team Intellectual Property Management des KIT, begleitete mich an einem der Tage, um ihre Pendants in Straßburg zu treffen. Ich hatte auch die Gelegenheit, an zwei internen strategischen Online-Sitzungen teilzunehmen, um einen tieferen Einblick in den Arbeitsalltag und die Prozesse bei SATT Conectus zu erhalten.

Vertraulichkeitsfragen konnten im Vorfeld problemlos durch ein bilaterales Non-Disclosure Agreement (NDA) gelöst werden.

Was haben Sie persönlich und beruflich aus dem Austausch mitgenommen?

Insgesamt habe ich eine breitere Sicht auf die Methoden des Technologietransfers gewonnen: Es gibt nicht nur einen einzigen Weg. Ich habe von den französischen Kolleg*innen gute Tipps erhalten, mich über Do’s and Don’ts sowie Best Practices ausgetauscht. Das brachte mir auch nochmal ein besseres Verständnis für das französische Innovations-Ökosystem in der Region Elsass, nur wenige Kilometer von Karlsruhe entfernt.

Ich konnte sehr gute persönliche Kontakte knüpfen und mögliche Teampartner/innen finden, um in Zukunft gemeinsam den grenzüberschreitenden Transfer von Energietechnologien in der Oberrheinregion voranzutreiben. Insgesamt habe ich den Eindruck gewonnen, dass wir alle zu einer großen grenzüberschreitenden Gemeinschaft gehören, auch wenn wir in verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen arbeiten.

Würden Sie diese Erfahrung anderen Mitarbeitenden im Bereich des Wissens- und Technologietransfers weiterempfehlen? Für welche Positionen könnte es interessant sein?

Ich würde diese Erfahrung auf jeden Fall weiterempfehlen! Sie könnte z. B. für Innovationsmanager, Business Developer, IP-Manager oder Relations Manager eine Bereicherung sein, aber eigentlich für jeden, der gerne ein wenig über den Tellerrand hinausschaut, andere Arbeitsweisen entdeckt und von den Erfahrungen anderer lernen möchte!

Wir bedanken uns für das Gespräch!